Ritter Hans Jeuch
Eines Sonntags zur Zeit des Prättigauer Freiheitskampfes stand Ritter Hans Jeuch am Fenster eines ihm gehörenden Hauses, das «in der Klus» genannt wurde, und schaute gegen Schlappin hinauf. Da sah er plötzlich die Montafoner in hellen Scharen das Tobel herabkommen.
Schnell legte er seinen Lederharnisch an, bestieg seinen Schimmel, dem er in der Eile noch eine «Gelte» (Holzgeschirr) Wein zu saufen gab, und stürmte vor die Kirche hin, weil alles in die Predigt gegangen war. Dort berichtete er vom Gesehenen, und ebenso schnell waren die Klosterser bereit, sich zur Wehr zu setzen. Es nahm jeder die Waffe mit, die er gerade erwischen konnte.
Dann sprengte Jeuch rasend den Montafonern entgegen, nachdem er den ihm folgenden Klostersern zugerufen hatte: «Nidermachen will i eu gnuag, lend mar nu keina wiram uflastahn!» So durchbrach er dann die Haufen der Montafoner, welche sowohl die scharfe Schneide seines Schwertes als auch den Huf seines grimmigen Schimmels zu fürchten hatten. Er mähte ganze Reihen nieder, und was er niedermähte, das «zetteten» die Klosterser, das heisst, sie liessen keinen wieder aufstehen. So kam der eine Teil der Montafoner durch das Schwert von Jeuch um, der andere Teil flüchtete das Tobel aufwärts, wieder heim zu.
Auf dem Rückweg rasteten die Klosterser bei einer Wiese im Dörfji. Dort öffnete Jeuch seinen Lederharnisch, und siehe da, es fielen eine Menge Flintenkugeln zu Boden. Er war halt kugelfest.
Noch drei Tage lang floss der Schlappinbach rot, dermassen hatte das Schwert Jeuchs seine Schärfe bewiesen und so hart war das Treffen gewesen.
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch