Mutabor Märchenstiftung

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Zu früh gelacht

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Prättigau
Kategorie: Sage

Messmer Jörg war ein in fremden Kriegsdiensten verrohter Mensch. Er amtete in der schrecklichen Pestzeit 1629/30, da ein fürchterliches Sterben unsere Gegenden heimsuchte. Erbgüter wechselten oftmals in der gleichen Nacht mehrere Male den Besitzer.

An einem unheilvollen Tag führte Messmer Jörg den letzten Wagen voller von der grässlichen Seuche Dahingeraffter den Monbielerstutz hinunter.

Er selber war auch Monbieler. Das bedeutete, er war nun der letzte Überlebende seines Weilers. So wähnte er sich denn als Erben und Eigentümer des ganzen Dorfes Monbiel. Als ihm das unterwegs voll zum Bewusstsein gekommen war, tat Messmer Jörg vom Kutschbock einen wüsten Jauchzer und den Ausruf: «Jetz ghörend alli Monbieler Huusschlüssel miar!» Dies erschreckte sein Pferd dermassen, dass es scheute, sich wild aufbäumte und das ganze traurige Fuder in den Graben warf. Für Jörg selber aber fand sich statt dem begehrten Bündel Hausschlüssel eine spitz vorstehende Latte am Strassenzaun, welche ihn erbarmungslos aufspiesste.

J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch