Die gewölbte Brücke
Wer von Mezzaselva her durch die Walki dem Dorf Serneus zufährt, der passiert den reissenden Fluss der Landquart über eine grosszügig gewölbte Steinbrücke. In diesen Tagen hat die Brücke eine Renovation erfahren, steht sie doch als stiller Zeuge der Baukunst aus vergangenen Zeiten. Der Mittelstein auf der einen Seite gibt Initialen des Baumeisters und Alter des Werkes mit der Inschrift «BG 1860» zu erkennen, und derjenige auf der andern Seite zeigt die Widmung: «Der Nachwelt zur Erinnerung».
Über den gleichen Fluss führt ein Stück weiter talauf hingegen ein weniger imposantes Bauwerk zur bekannten Heilquelle von Bad Serneus. Es ist dies eine einfache, graue und angerostete Stahlkonstruktion unseres Jahrhunderts, das nicht mehr die Denkmäler von früher zu bieten hat. Die älteren Leute vermögen sich aber noch zu erinnern, dass dort einmal eine heimelig anmutende, gedeckte Holzbrücke stand, und sie wissen auch noch, warum das heute nicht mehr der Fall ist.
Die alte Badbrücke und die Dorfbrücke wurden damals etwa zur selben Zeit, jedoch von verschiedenen Ingenieuren entworfen und unter der Ägide von zwei Baumeistern erstellt. Die beiden Ingenieure kamen dann einmal miteinander ins Gespräch. Derjenige von der alten Badbrücke fragte denjenigen von der Dorfbrücke dabei ziemlich herablassend, warum er denn seine Brücke so hoch konstruiert habe? Worauf der Angesprochene schlagfertig entgegnete: «Dass diini under miinere us chan.»
Genau das war denn auch der Fall, als die Hochwasserkatastrophe vom 15. Juni 1910 im ganzen Prättigau verheerende Schäden anrichtete. Die gewölbte Steinbrücke hielt der Belastung stand, während die hölzerne Badbrücke mit Krachen und Tosen unter ihr hinweggeschwemmt wurde. Darum befindet sich nun dort die Stahlkonstruktion mit der Aufschrift «Erbaut 1911», und die Brücke zum Dorf Serneus bildet immer noch ein Denkmal aus dem Jahre 1860 der Nachwelt zur Erinnerung.
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch