Mutabor Märchenstiftung

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Das Fänggenmannli Uezi

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Klosters
Kategorie: Sage

Auf Monbiel bei Klosters hütete ein Fänggenmannli jahrelang zuverlässig und treu die Heimkühe.

Es kam nie bis zu den Wohnungen der Viehbesitzer, sondern wartete bei einem grossen Stein oberhalb des Dörfchens an der alten Strasse und nahm dort seine Herde zur Hand.

Nun wollten ihm die Leute aus der Gegend ihre Dankbarkeit zeigen, wussten aber nicht recht wie. Einmal stellten sie ihm ein «Schöppli» vom besten Veltliner auf den Stein. Das Mannli kam auf den Stein zu, betrachtete die Gabe lange Zeit und besann sich ängstlich, ob es trinken solle. Endlich setzte es äusserst vorsichtig an. Der Wein mundete ihm sichtlich, und es trank das ganze «Schöppli» leer.

Ein ander Mal stellten sie ihm ein Paar nigelnagelneue Schuhe auf den Stein hinaus. Das Mannli schaute ganz verwundert drein und versuchte zuerst, die Schuhe über den Kopf anzuziehen. Nach und nach wurde es aber doch so pfiffig, dass es die Schuhe an die Füsse steckte. Als es dann gehen wollte, fiel es zunächst um und kugelte über und über. Mit der Zeit aber lernte es in den Schuhen zu gehen und verschwand augenblicklich für immer.

Dieses Mannli hiess «Uezi», und der Stein ausserhalb des Dörfleins Monbiel trägt jetzt noch den Namen «Uezistein».

J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch