Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Wettergeister

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Klosters
Kategorie: Sage

An einem «bräntigen» (nebligen) Herbstabend sass ein Klosterser Bauer im «Stubji» seiner Maiensässhütte in Schlappin. Während er sein Pfeifchen rauchte, hörte er plötzlich, wie sich jemand mit Holzschuhen der Hütte näherte. Er dachte, es werde der Nachbar Hans sein, der ein bisschen «z'Hengert» (zu Besuch) komme. Es griff auch noch auf die Klinke, aber niemand trat ein. Da stand der Bauer auf, öffnete die Tür und fragte.- «Ischt aswär da?» Er erhielt keine Antwort und kehrte kopfschüttelnd in die Stube zurück. Kaum sass er wieder auf der Bank, da liessen sich draussen neuerdings die Tritte der «Holtschan» vernehmen, noch viel nachdrücklicher als vorher. Warum kam der denn nicht herein? Der Bauer stand nochmals auf, ging hinaus vor die Hüttentür und rief in den Nebel hinaus: «Säg, Hans, was hescht für Tempa (Schrullen)? Chumm doch inner!» Wieder keine Antwort und ringsum nichts zu sehen. Jetzt lief dem Alten aber ein Grausen den Rücken herauf. Er machte, dass er in die Stube hineinkam und dachte: «Morä bruch i denn nüt z'hüaten». Richtig, am Morgen lag ein «Chlapf» Schnee auf der Weide. Der Wettergeist hatte sich also nicht umsonst abends zuvor gemeldet.

Ebenso ist der wilde Küher ein Wetterverkünder. Wenn die Hirten droben in den Wäldern und Flühen seinen Ruf hören, der an das Heulen des Föhns erinnert, dann wissen sie: Jetzt schlägts um.

Ein Hirtenbub auf Saaser Alp hat oft erzählt, wie er einmal in der Nacht durch einen ungewohnten Lärm aufwachte. Von weither hörte er nämlich Schellen und Plümpen, auch lautes Hojen, das Muhen von Kühen und Peitschenknall, als ob man mit einer grossen Viehhabe vorbeifahre. Der Bub durfte sich nicht von seinem Lager regen, bis alles vorübergezogen war und es draussen wieder still wurde. Am Tag drauf war die Alp ausgeschneit.

J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch