Ein Sausen wie von einem Bienenschwarm
Zwei Burschen aus Monbiel kamen eines Abends auf den Platz heraus zum «Hengert» (Abendunterhaltung).
Zwischen elf und zwölf Uhr begaben sie sich in der mondhellen Nacht wieder heimwärts. Der eine, weil er noch etwas zu verrichten hatte, machte sich nach der Brücke auf, um von dort aus übers Doggiloch nach Hause zu kehren. Der andere Bursche ging direkt vom Platz weg sonnenseits nach Monbiel hinein und kam auf diesem Weg unterhalb des Hauses «uf'm Büel» vorbei.
Nun sah derjenige, welcher den Weg durch das Doggiloch eingeschlagen hatte, wie seinem Kameraden eine Schar schwarzer Gestalten begegnete. Leicht erschreckt und in Sorge, es könnte seinem Dorfkollegen etwas zustossen, beobachtete er den merkwürdigen nächtlichen Vorfall, sah aber, wie sein Kamerad ganz ruhig und unbeirrt vorwärtsging.
Bei der Aeujer-Brücke trafen die beiden wieder zusammen, und er fragte den andern, was für Leute ihm unterhalb dem «Büel» begegnet seien. Der erwiderte: «Ich habe niemanden gesehen, wohl aber habe ich ein Sausen vernommen wie von einem Bienenschwarm und einen starken Luftzug gespürt».
«Dann bist du halt dem Nachtvolk begegnet», stellte der erstere fest.
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch