Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Die schlechte Nachbarin

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Klosters
Kategorie: Sage

An einem herrlichen Sommerabend wanderten ein Doktor und ein Bauer aus der Aeuja von Davos-Laret nach Klosters-Aeuja. Unterwegs, im Riedloch, drang Musik an ihre Ohren. Sie gingen hin, um in Erfahrung zu bringen, was das sei, und erspähten auf der Lichtung einen Hexentanz. Nachdem sie, hinter einer Tanne verborgen, eine Zeitlang zugesehen hatten, zogen sie vorwärts der Aeuja zu.

Dort angelangt, lud der Bauer den Doktor in sein Haus ein und fragte ihn, was er am liebsten essen möchte, fügte jedoch hinzu, er könnte ihm gerade zeitige Kirschen offerieren. Der Eingeladene erwiderte, solche hätte er am liebsten. Der Mann stieg hurtig auf den Baum vor seinem Haus und las einen «Kratten» (Henkelkorb) voll ab. Als er nun den Kratten im Haus auf den Tisch stellte und die Kirschen ausleerte, waren alle in «Chriesi-Stinker» (Baumwanzen) verwandelt, welche über den Tisch krochen und über Bauer und Doktor hinauf. Beide flüchteten vor das Haus und befreiten sich dort mit grosser Mühe vom Ungeziefer.

«Das chan nu d Nachbüri getan han, wa au im Riedloch uf am Häxatanz gsin ischt», lautete der Kommentar des Bauern.

J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch