Die Hexe im verbrannten Rock
Wenn der Wanderer von Klosters-Platz herkommend den schönen Bergen Silvretta und Vereina entgegengeht, lenkt er seinen Schritt durch Monbiel, das hinterste Dörflein der weitläufigen Gemeinde Klosters. Er zieht an den von der Sonne braungebrannten Holzhäusern und Ställen der Walsersiedlung vorbei und mag bei sich denken, was diese wohl im Verlauf der Jahrhunderte erlebt haben.
Dort in Monbiel hatte eine Hausfrau eine Schar Hennen, die täglich Eier legten und ihr damit die grösste Freude bereiteten. Auf einmal aber fand die Bäuerin kein einziges Ei mehr bei den Hühnern, und doch mussten sie schön gelegt haben, weil man nämlich jeden Tag hörte, wie sie «gatzgeten». Die gute Frau ärgerte sich fürchterlich und ergriff dann einmal im bittersten Zorn eine Henne, die eben «gatzgete», und warf sie in den Ofen hinein.
Kaum hatte sie das getan, da stand «as Wiibli ira verbrännta Juppa» neben ihr in der Küche, das sich eiligst davonmachte. Das «Wiibli» war eine Hexe, und von der Zeit an haben die Hennen der Monbielerin nicht mehr «verlegt».
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch