Das Totenvolk
In einem Haus in Klosters lebte ein alter, alleinstehender Mann.Eines Nachts konnte er nicht schlafen und lag wach in seiner Kammer. Da vernahm er mit einemmal ein sonderbares Gesumme und Gemurmel vor seinem Haus, als ob eine Versammlung stattfände. Der Alte stand auf, schlüpfte schnell in die Hosen und verfehlte vor lauter Pressieren das eine Hosenbein.
Als er in der «Gwundrigi» zum «Läuferli» hinausguckte, sah er eine schwarze Schar gegen das Haus zukommen und am Haus vorbeiziehen. Dass der Letzte ihm glich und genau wie er nur das eine Bein in den Hosen hatte, fand er zwar merkwürdig, machte sich aber nichts draus. In diesem Zug erkannte er übrigens auch mehrere noch lebende Personen.
Drei Wochen darauf starb der alte Mann. Und diejenigen, welche er als noch Lebende im Zug gesehen hatte, folgten ihm alle im gleichen Jahr.
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch