Mutabor Märchenstiftung

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Der Wechselthaler

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Ausserhalb des Städtchens Mellingen war vor etwa siebzig Jahren eine Schenke, in der ein vorüberreisender Handwerksbursche neben den ordentlichen Stammgästen seinen Schoppen trank, und beim Weggehen einen Thaler wechseln liess. Die Wirthsfrau hatte das Geldstück nicht besonders genau betrachtet, es eingenommen und das Betreffende darauf hinausgegeben. Es kamen, da es Sonntag war, immer mehr Gäste nach; sie musste einem Manne aus einem benachbarten Dorfe auf's neue einen Thaler wechseln, und dabei kam ihr derjenige wieder in die Hand, den sie eben erst eingenommen hatte. Jetzt schien er ihr gar wunderbar zu sein, und sie erzählte davon den Leuten. Diese liessen ihn am Tische herum gehen, und mehrere erklärten, das sei ein Wechselthaler, auf der Stelle solle ihn die Frau von ihrem übrigen Gelde wegthun, damit er es nicht alles zusammen mit sich fortführe. Ein Wechselthaler ist nämlich ein solches Geldstück, welches seinem ersten Besitzer, so oft er es auch ausgibt, nicht bloss immer wieder in die Tasche zurückkehrt, sondern ihm auch das fremde mitbringt, bei welchem es unterdessen gelegen hat. Die Frau liess sich nicht gerne bereden, doch entschloss sie sich endlich, ihn durch einen Mann, der sich darauf verstand, mit einem Nagel an die Holzwand des Schenkzimmers schlagen zu lassen, damit hier jeder Einkehrende erfahre, was für ein Aussehen solch ein Heckthaler habe. Er wurde nun aufgenagelt; nach etwa einer Viertelstunde bemerkte man, dass er anfange, sich um den Nagel ruckweise herum zu bewegen. Dann ward das Drehen immer rascher und ging zuletzt so schnell, dass er pfiff und schnurrte. Plötzlich stand er aber still und blieb für immer unbeweglich.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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