Der Alte vonVilligen
Vor alter Zeit baute ein herrlicher Ritter von Villigen gleich ob dem Dorfe auf einer hohen Spitze und Ecke des Geissberges an einem von Natur wohl bewahrten Orte eine feste Burg, dergleichen im Lande nicht war. Er nannte sie Besserstein. Es hatte aber der bemeldete Ritter zwei junge Söhne, die liessen verlauten, wie sie nach ihres alten Vaters Tode etliche Nachbarn durch Hilfe ihres starken Schlosses bekriegen und das Land umhin schädigen wollten. Der Ritter und Vater erfuhr diese Rede und das Vorhaben seiner Söhne. Da liess er vorerst aus dem Schlosse Besserstein hinaustragen Alles, was dann war, und darnach berief er die beiden Söhne zu sich und sprach zu ihnen: „Liebe Söhne, ich habe dies starke Schloss mir, euch und unsern Nachkommen zu Trost und dem gemeinen Lande zu Nutz und Frommen erbaut.
Bin ich nun recht berichtet worden, so habt ihr euch nach meinem Ableben Schlimmes zu thun vorgenommen, und wollt eure Nachbarn bekriegen und das Land umhin schädigen. Ich baute die Veste nicht zu einem Räuberneste und will nicht, dass daraus Land und Leute geschädigt und verderbt werden!" Darauf befahl er seinen Söhnen und Leuten, das Schloss selbst zu verbrennen. Das war eine ritterliche That und wohl würdig, ausgezeichnet zu werden. Und nur zu bedauern ist, dass die Chronik vergessen hat, uns den Namen des edeln Ritters und das Jahr, wann das geschehen ist, mitzutheilen.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch