Mutabor Märchenstiftung

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Die fromme Zofingerin

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Anno Domini 1519 was die Pest zu Zofingen, da was ein alt Wittib, die hiess Anna Dulliker, die hat zwey Kind, die auch den Presten hattent, und gieng die gut Fraw all Tag zu dem Bildhüsly, das vor der Statt was, und bettet do zu der Mutter Gottes das sy ihr Kindlin erhalten wolt, und versprach jr wen sy das thet, das sy jr das Hüslin wider wolt buwen lassen, dan es vast zerfallen was. Do genasend die Kind, und spart die Fraw jr Geldlin zusamen, damll sy jr Gelübd erfüllen möcht.

Ader do kam die zwinglisch Ler uf, und thet man auch ze Zofingen die Bilder aller Orten weg, die Fraw aber wolt den nüwen Glauben nit annemmen, und zog do man jr zusazt, heimlich von Zofingen fort, und do sy zu dem Bildhüslin kam, do warend Werklütt da, die das schlissend, do bat die Fraw, das sy jr das Bild liesend, und koufts inen ab und wolts mit sich forttragen, das konnt sy aber nit, dann es jr ze schwer was, do sy ouch jr klein Kind und jr Bündlin tragen musst, do dingt sy ein Mann der ihrs tragen sott, der was aber der nüwen Ler ein yfriger Anhenger, und spottet der guten Frawen, und wenn ein Wyl gangen was, se sagt er, dyn Götz wird mir ze schwer, ich will jn in Graben werffen, des erschrak dan die Fraw und bat jn weinend das er wyters gieng, do fordert er wider Gelt von jr, und das trib er so lang bis die arm Fraw kein Gelt mer hat, do warf er das Bild in die Studen und luf darvon. Aber die Fraw sazt sich zu jm und wusst nit wie sy es wyter bringen solt, und hoft dass jemand des Wägs kam, der jrs tragen half. Do hat das eint Kind Blumen g'sucht, und fand da zu den Füssen des Bilds ein silbern Pfenning, den zeigt es der Mutter, und do sy auch sucht, und an dem Ort nachgrabt, do ffand sy ein Hafen, der was voll solcher heidnischer Pfenning wie man solcher in diser Gegne mer funden hat, und erkant do die Gnad der heiligen Jungfraw erst recht, die sy von jr Trüwe willen rycher macht als sy vor nie was, und gab do ir Bild einem Bursman, der mit synem Ross nach Sursee für, und sazt ir Kind auch daruf, und erzalt do in der Statt was jr begegnet was, des sich menklich verwundert, und die gnadenryche Muter hoch verehrt biss uf den hüttgen Tag.       ,

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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