Die Bergmännlein des Alpsteins
In den zahlreichen Krystallhöhlen des mächtigen Alpsteins hausten einst ganze Scharen lebhafter Zwerge. Sie hüteten die Sennten frommer Hirten und die Gemsen des Gebirges, und waren, wenn's Noth that, mit nächtlicher Hilfe bereit im Heuet und Emdet und im Stalle mit Melken und Schoren. Ihr König wohnte oben in der reizenden Höhle des Wildkirchleins, wo auch ihre Kirche war. Hieher gingen ihre Hoffahrten in stillen Nächten, Paar um Paar, voran die Leuchtenträger mit Lichtlein in gläsernen Häfelchen auf den Köpfen unter seltsamer Musik und Gesang. Von hier zogen sie durch den langen Felsengang hinauf zur lustigen Ebenalp zu ihren niedlichen Tänzen, und von hier zogen sie aus zu ihren freundlichen Hilfleistungen. Wie anderswo sind sie auch hier mit der Einfalt des Glaubens und den guten alten Sitten verschwunden, und mit ihnen sind auch die Rehe und Hirsche, die einst mit dem Rindvieh friedlich in der Alp „ob dem Rehfach" geweidet, weggekommen, und mindern sich die Gemsen immer mehr von Jahr zu Jahr.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch