Mutabor Märchenstiftung

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Entstehung der Ebenalperhöhle und des Schutzengelfestes

Land: Schweiz
Kanton: Appenzell
Kategorie: Sage

Es sönd früener dei bim Escher omme-n-ond uf der Ebenalp all Nächt e verzwiffleti Schar Häxe-n-ond Drake-n-omme grette-n-ond omme tanzet, (ond der Töhfel selb ischt au debei gsee,) und hönd4 der en Lärme-n-ond e Gschrää gha, as wie gnarret, dass me's bes in Seealpsee abi ghört hät.

Ond do ischt emol anere schöne Mohschiinacht en Handbueb, wo äbe gsohmeret hät, drob verwachet, ond hät de Häxetanz äbe-n-au gsehe, ond hät e ihn, wie billig, verzwahngt loschtig düecht. Do goht er zue der greuschte vo dene Häxe-n-ani, ond hät er es gofferirt, er möcht au methalte. Do sät die Häx: jo friili, ond get  em e Buech ani, ond sät em, er söll si do inne-n-onderschriibe, dass er wöll 's Töhfels see, denn töhrf er methalte.

Der Bueb hät aber die Pflenz waul kennt, ond nehnt das Buech, ond goht mit dei zuem Escher ani, gahd wo jetz 's Wildchölcheli ischt, ond onderschriibt si bi de dreu höchschte Nemme, ond wie der Bueb die dreu höchschte Nemme gschrebe hät, sönd der die Häxe verfloge, gahd recht wie bsässe, ond der Töhfel ischt afe gahd hönderem Zuni gstande, ond hät em öber d'Achsle glueget.

Der hät i der Täubi ond im Schrecke gahd frisch met äm Satz wölle-n-uf de Schöfler ui, ond hät si met de Chlaue-n-om avel fescht i d'-Felseblatte-n-ine klammeret, dass er de Sprung recht fasse chönn, dass me-n-ämel sini Tatze, wo-n-er gmacht hät, jetz no im Felse sieht bim Escher obi, i will en Chäzer see, wenn's nüd wohr ischt; 's hät si aber gliilig nüd möge g'gee" mit dem Springe, der Narr hät si fiz fest ihklammeret; do schlüüft er bi Gotts i der Verzwiiflig zuem Felse-n-i, ond der Bueb metem Buech Schrett för Schrett nahi. Hönderschi hät der Töhfel do natürli nüd dörfe, ond schlüüft halt vorwärts, vorwärts dör de Felse- n-ini, bes er z'letscht of Ebenalp usi cho ischt.

Dei ischt er do i d'Löft, ond der Bueb hät e gad noh gsehe hönderm Schöfler ai keije jetz vom säbe-n-a ischt do halt d'Ebenalperhöhli etstande, ond hät me-n-alli Johr ame gstiifte Tag e Fescht dei obi, ond thuet ui wallfahrte ond zuem Schotzengel bete, dass er die Töhfel ond die Häxe nomme zuni läss, ond Sorg hei zuem Vääch" ond zue de Lüüte, wo do obe sohmerid.

Östlich an einem steilen Abhang einer Appenzeller Gebirgskette liegt eine kleine Kapelle, das „Wildkirchlein" genannt. Von dieser Kapelle weg führt gegen Westen eine grosse Höhle auf eine grosse Wiese hinaus, "die Ebenalp" geheissen, wo alljährlich das Vieh übersommert. Zunächst an dieser Alp liegt westlich der "Schäfler", ein sehr hoher Berg; von dort herab südlich gewahrt man in schauriger Tiefe den Seealpsee. "Escher" ist der Name einer keinen Bauernhütte, wenige Schritte südlich vom Wildkirchlein. Alljährlich am ersten Sonntage im Juli wird in dieser Kapelle Messe gelesen, wozu sich immer sehr viele Andächtige einfinden. Dieser Festtag heisst "Schutzengelfest".

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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