Die Zwerge auf dem Baum
Des Sommers kam die Schar der Zwerge häufig aus den Flühen herab in's Thal und gesellte sich entweder hilfreich oder doch zuschauend den arbeitenden Menschen, namentlich zu den Mähdern im Heuet (der Heuernte). Da setzten sie sich denn wohl vergnügt auf den langen und dicken Ast eines Ahorns in's schattige Laub. Einmal aber kamen boshafte Leute und sägten bei Nacht den Ast durch, dass er blos noch schwach am Stamme hielt, und als die arglosen Geschöpfe sich am Morgen darauf niederliessen, krachte der Ast vollends entzwei, die Zwerge stürzten auf den Grund, wurden ausgelacht, erzürnten sich heftig und schrieen:
"O wie ist der Himmel so hoch Und die Untreu' so gross!
Heut' hierher und nimmermehr!"
Sie hielten Wort und liessen sich im Lande niemals wiedersehen.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch