Mutabor Märchenstiftung

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Der Zwerg als Küherknecht

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Zu einem Küher an der Lenk im Obersimmenthal kam einmal zur Winterszeit ein Zwerg, und bot sich als Knecht an. Der Küher sah den Zwerg mit schelen Augen an und dachte bei sich, ein solcher werde wohl nicht für Vieles zu gebrauchen sein. Endlich nahm er ihn doch an, aber der Lohn musste dem Küher überlassen bleiben. Der Zwerg hatte nun in einer Scheune an "der Aergerden" das Vieh zu besorgen. Als sie das Vieh dort einstellten, sagte das Zwerglein dem Bauer, er solle nun den ganzen Winter hindurch nie in die Scheune kommen, es wolle die Sache schon besorgen, dass er zufrieden mit ihm sein könne. Lange ging der Küher nicht hin; aber endlich, als der Winter schon mehr als zur Hälfte verflossen war, trieb ihn die zu grosse Neugierde doch einmal nachzusehen. Aber wie erstaunte er, als er in den Stall kam! Das Vieh glänzte wie ein Spiegel; so schöne Ware hatte er seiner Lebtage nicht gesehen. Er dachte nun bei sich selbst, der Zwerg werde wohl das Heu auf der Bühne bald aufgeätzt haben; aber wie gross war sein Erstaunen, als er sah, dass dasselbe nur wenig gemindert hatte. Voll Freude ging er nach Hause und sagte: "Solche Knechte seien nicht zu verwerfen." Als der Zwerg am Abend zurückkam, sagte er dem Bauer, er habe nicht Wort gehalten und sei in den Stall gekommen; von nun an werden sie das Heu wohl brauchen können. So geschah es auch. Der Bauer konnte sich nicht genug in den Haaren kratzen, und nun bereute er, wiewohl vergeblich, seine Neugierde.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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