Mutabor Märchenstiftung

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Die arme Witwe

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Eine arme Witwe in Grindelwald mit vielen Kindern war in bitterer Noth. Weinend ging sie eines Morgens in der Frühe gegen die Scheideck zu. Rathlos setzte sie sich nieder und überliess sich ihren Thränen. Da kam plötzlich ein Bergmännlein hinter dem Stein hervor, trug etwas auf den Armen und sagte mitleidig zu ihr, sie solle ihre Schürze herhalten, es wolle ihr etwas geben, und füllte ihr nun dieselbe mit Kohlen. Sie betrachtete verwundert das Männlein und wusste nicht, was die Kohlen ihr helfen sollten. Ohne dazu Sorge zu tragen und ohne sie wieder aufzuheben, wenn ihr Kohlen hinunterfielen, ging sie ihres Weges weiter. Da rief ihr das Männlein nach:

"Je mehr du zerstreust,
Je mehr du's bereust."

Das merkte sich die Frau. Wie sie nach Hause kam und mit den Kohlen Feuer anmachen wollte, wurden die Gluthstücke zu lauter Goldstücken.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch