Mutabor Märchenstiftung

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De beschenkte Zwerg

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Bei einem Hause in Betelried im Obersimmenthal war eine sogenannte Stampfe, ein ausgehöhlter Klotz mit einem mächtigen Stempel oben an einer elastischen Latte befestigt. Zu diesem Hause kam von Zeit zu Zeit ein Zwerglein, um mit Erlaubnis des Eigenthümers seinen kleinen Vorrath an Gerste zu stampfen. Es war sehr dürftig gekleidet, deswegen beschloss der Hausbewohner auf den Antrag seiner Ehehälfte, demselben eine Kleidung von weisser roher Zwillich machen zu lassen, wozu er wirklich nicht viele Ellen brauchte.

Das nächste Mal, als das Zwerglein wieder zu stampfen kam, machten ihm die Hausbewohner die Kleidung, die unterdessen fertig geworden war, zum Geschenk. Es zog sie sogleich an, besah sich von oben und unten, von hinten und vornen und sprach im Gefühle seiner nunmehrigen Würde: "E söttige Ma ga-n Gerste stampfe? Nein! e söttige Ma zum Tanze ga-n!"

Das Zwerglein entfernte sich, indem es für das neue Kleid schön sich bedanke, kehrte aber niemals wieder zurück. Ein unsichtbares Wesen zeigte sich von da an den Schenkern günstig. Keine Geiss, kein Schaf verirrte ihnen mehr, sondern sie kamen immer regelmässig nach Hause. Ihr Holz, das von den Bergen herabgerollt wurde, blieb immer auf dem "Laas" (Holzleite) und fiel nie in Tiefen und Sümpfe, und alle ihre Arbeit ging so rasch vorwärts, dass man deutlich sah, es habe ihnen jemand geholfen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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