Mutabor Märchenstiftung

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Gründung von Gidisdorf

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Die Einwohner von Grindelwald waren ursprünglich aus dem Norden hergekommen und wohnten nicht im Thal, das mit Wald bewachsen war, sondern zuoberst auf den Alpen um die Bergspitzen herum. Dort waren herrliche Weiden und frische Quellen. Zuerst siedelten sie sich an zwischen dem Faulhorn und Siedelhorn* in "den Gassen." In der Nähe im "Schmiedigebidmen" wurde auch Metall gegraben, aus dem sie ihre Werkzeuge verfertigten. Es war Alles mild und freundlich und warm, man wusste nichts von Schnee und Eis. In den Gassen war auch ein Brünnlein. Eines Morges kam die Magd herein zum Hirten "Gidi" und brachte die sonderbare Nachricht, es sei Glas auf dem Wasser. Alles ging hinaus, um diese seltsame Erscheinung zu betrachten. Da sagte der Gidi: "Jetz chömme die ruchen Johr" — denn der Brunnen war gefroren —, beschloss, mit den Seinen ins Thal hinabzuziehn, und stieg so mit einer grossen Anzahl anderer Hirten und all seinem Vieh hinab in den Grund. Da reuteten sie den Wald aus, bauten sich Häuser und gründeten so eine Niederlassung, die nach Gidi den Namen Gidisdorf erhielt. Schnee und Eis liessen sich aber immer weiter herunter, bis die herrliche Gegend auf der Höhe erstarrt war.

1 Gidisdorf heisst in Grindelwald die Häusergruppe um die Kirche und die grossen Gasthöfe herum. Gidi- = Gideon.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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