Mutabor Märchenstiftung

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Der Linksmähder von Madiswyl

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Zu Madiswyl, einem Dorfe zwischen Langenthal und Huttwyl, lebte vor aller Zeit ein Bauer, Namens Roth, mit seinem hübschen und fleissigen Töchterlein Vreneli.

Während der Herr von Gutenberg das Mädchen gern sah, hatte dasselbe sein Herz schon an Uli (Ulrich), ihres Vaters braven aber armen Knecht verschenkt. Dem Vater schmeichelten zwar des Junkers Besuche, aber als er erfuhr, dass es ihm mit einer Heirat mit Vreneli nie Ernst sein würde, versprach er der Tochter Hand dem Uli, wenn er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang linkhändig ein Kreuz mähen würde auf der Längmatt, die vom Dorf sich weit gegen Lotzwyl hinzieht.

Die Liebe gab dem Uli Muth und Kraft zur Probe. Mit zwei Sensen ging er bei Sonnenaufgang hinaus auf die Matte. Während er mit der einen mähte, wetzte ihm Vreneli die andere. Und wenn er erschöpft war, reichte sie ihm einen Labetrunk.

Der Ritter aber hatte beschlossen, sich zu rächen. Er dingte Ruedi (Rudolf), einen andern Knecht, dem Kameraden eine Flasche Wein zu bringen. Der Wein war aber vergiftet. Ruedi schenke fleissig ein. Obschon Uli sich todesmatt fühlte, setzte er dennoch die Arbeit unverdrossen fort, und mit Sonnenuntergang war das Kreuz wirklich abgemäht. Aber mit dem letzten Sensenschlag sank Uli zusammen und war todt. Als Vreneli das sah, sank auch es vor Schrecken todt auf den Geliebten hin. Das Andenken des treuen Uli zu ehren, nahmen die Madiswyler sein Bild in ihr Wappen und führen es bis auf den heutigen Tag.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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