Mutabor Märchenstiftung

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Der Riese Gargantua

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Die Bewohner des Greyerzer Landes verehrten vor ihrer Bekehrung durch den heiligen Donat, Erzbischof von Besançon, einen ungeheuern Riesen, der sich in ihrer Gegend aufhielt. Er war so gross, dass er sich oft quer über die Saane stellte und dabei den einen Fuss auf den Gipfel des Birrenberges, den andern auf die Spitze des Gibloux setzte. Bog er sich dann herab und trank aus dem Fluss, so pflegte er alles Wasser auszuschlürfen und das Flussbett für drei volle Tage trocken zu legen. Als die Tugybrücke gebaut werden sollte, schleppte er die dazu nöthigen Felsblöcke in kurzer Zeit herbei, indem er sie wie leichte Kiesel aufnahm und, ohne sich von der Stelle zu rühren, an dem bestimmten Platze niederlegte.

Nicht immer hielt er sich indes in Greyerz auf, auch den Doubs pflegte derselbe Riese oft auszutrinken, wenn er Durst bekam, und wenn er gesättigt war, setzte er sich auf die Felsen zwischen den Ortschaften Baume- les Dames und Hyèvre, um sich von den Anstrengungen auszuruhen. Noch heut sieht man die Einsenkung, die er durch seine Schwere an dieser Stelle hervorgebracht hat, und nennt sie Gargantua's Sessel.

Eine andere seiner Lieblingsstätten lag nicht weit von der vorigen, oberhalb Clairvaux im Departement des Jura. Als er hier einmal Durst bekam und aus der Drouvenne in seiner gewöhnlichen Weise trinken wollte, hinderten ihn die Felsen, welche sich an beiden Ufern des Baches erhoben. Da erfasste er sie und riss sie auseinander. Noch gegenwärtig sieht man in dem festen Gestein die Eindrücke der fünf ungeheuren Finger des Riesen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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