Mutabor Märchenstiftung

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Die Teufelsbrücke bei Pont-la-ville

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

In dem Wirthshause zu Pont-la-ville sassen eines Abends mehrere Männer beisammen und besprachen sich über die Nothwendigkeit einer Brücke über die Saane, deren Wogen zwischen Felsen und Klippen dort im wilden Strudel schäumen und toben, wie an keiner andern Stelle ihres Bettes. Vieles wurde hin und her gesprochen. Alle sahen die Wohlthätigkeit eines solchen Baues ein, alle aber verzweifelten auch an ihm, da bei der Armuth der Gemeinde die Überwindung der sich darbietenden Schwierigkeiten eine reine Unmöglichkeit zu sein schien. Da trat plötzlich ein Fremder, nach seinem grünen Wams zu schliessen, ein Jägersmann, der an einem andern Tisch, in seinen Mantel gehüllt und den grossen spanischen Hut mit der Feder darauf tief in das Gesicht gedrückt, ihrer Rede schon längst gelauscht hatte, an sie heran und erbot sich: er wolle ihnen eine solche Brücke bauen und das in kürzester Frist. Auch wolle er alles nöthige Material zu dem Bau liefern und da es ihm weder um Lohn noch um Ehre zu thun sei, verlange er für das alles blutwenig, so gut wie nichts; man solle ihm nur das erste lebende Wesen, welches über die Brücke nach ihrer Vollendung gehen würde, als Eigenthum versprechen. Gefiele ihnen der Handel, so sollte ihm einer aus der Gesellschaft als Zeichen des Einverständnisses den Handschlag geben.

Nach kurzem Berathen ging man auf den Vorschlag ein. Der Handschlag ward geleistet. Der aber, der dies that, erschrak und erblasste, als er seine Hand in die des Fremden legte, und als derselbe kurz darauf sich entfernt hatte, erzählte er, er habe in seiner Rechten ganz deutlich die Krallen des Teufels gespürt. Jetzt erst wurde den Anwesenden klar, welch sündigen Vertrag man eingegangen. Furcht und Besorgnis um ihr Seelenheil ergriff sie. Unter ihnen war aber ein Schlaukopf, dessen Mutterwitz schon manchen aus der Verlegenheit gezogen hatte. Dieser sagte: "Liebe Freunde, beruhigt euch, bin ich mit manchem schon in meinem Leben fertig geworden, werde ich wohl auch mit dem Teufel fertig werden."

Obgleich die Übrigen sich durch diese Versicherung etwas getröstet fühlten, so trennte man sich doch an jenem Abend in banger Erwartung der Dinge, welche der kommende Tag bringen würde. Die ganze Nacht hörte man einen gar fürchterlichen Lärm, gleich einem Sturmwinde, und siehe! am andern Morgen, so wie die ersten Strahlen der Sonne die Berggipfel golden färbten, stand eine stattliche Brücke fix und fertig da; aber niemand getraute sich hinüber. Da erschien auch jener schlaue Mann, und trug gar bedächtig drei Päcklein unter dem Arm. Er stellte sich vor die Brücke, und öffnete den ersten Sack, aus welchem furchtsam und in zierlichen Sprüngen sechs Mäuse über die Brücke setzten. Ihnen folgten ebenso viele Ratten, und den Beschluss machte ein halb Dutzend Katzen. Als sämtliche Thiere vorwärts geeilt waren, folgte ihnen der Schlaukopf nach. Pflanzte auf einem Brückenpfeiler ein geweihetes Crucifix, und kam wohlbehalten zurück. An der andern Seite hatte der grüne Werkmeister auf die Beute gewartet; allein wie er sich getäuscht sah, ward er teufelstoll, nahm sofort seine wahre Höllengestalt an und riss mit seinen Krallen von der jähen Felswand Felsblock auf Felsblock, welche er alle nach der Brücke warf, um sie wieder zu zerstören. Aber sein Vorhaben scheiterte an der Macht des Kreuzes, und die Felsblöcke bildeten zu beiden Seiten der Saane einen schützenden Wall. Als der Fürst der Finsternis diesen Betrug nicht zu überwinden vermochte, weil er in seine eigene Grube gefallen, verşchwand er unter schrecklichem Donner und Blitzen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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