Mutabor Märchenstiftung

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Das Spielmännlein

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Am alpenreichen Käsenberg, einem Nachbar der Berra, im Kanton Freiburg liegt der Plasselbschlund, ein langes und halbkreisförmiges Thal, das von der Ärgera durchflossen wird. In demselben steht das Pfarrdorf Plasselb, zu welchem unter andern auch der Hof Sagenboden gehört.

Hier versammelten sich oft in einer alten Hütte die benachbarten Küher, um sich zu unterhalten. Zu ihnen gesellten sich häufig die Pottaschebrenner, die Kräuter- und Harzsammler, oder sonst andere Leute, die in den Bergen zu thun hatten.

Zuweilen erschien auch ein kleines, fremdes Männlein bei der gemischten Gesellschaft. Dieses hatte eine blassgelbe Gesichtsfarbe, aschgraue, blinzelnde, tiefliegende Augen, rothes, buschiges Haar, eine grüne Kappe auf dem Kopfe, und trug einen grauen Kittel, lange, enge Hosen von hellblauem Zeug und kurze Stiefel. Unter dem linken Arm hielt es stets eine Geige,- wesswegen man es das Spielmännlein nannte. Es verhielt sich meistens ganz ruhig und still in einem Winkel, wo es sich zusammenkauerte, oder es wärmte sich am Feuer in halb knieender gebückter Stellung. Wenn man es munter machen wollte, gab man ihm zu essen und zu trinken. Es dankte dann in einer sonderbaren fremden Sprache, wovon man nur ein paar Worte verstehen konnte, und am Ende fing es an zu geigen allerlei Tänze und Lieder. So vertrieb das Spielmännlein den Sennen die Zett, so dass sie oft ihre Arbeit darüber vergassen. Es gab aber Zeiten, da man das Männlein nirgends sehen konnte, und doch hörte man sein Saitenspiel im Sagenboden bald diesseits, bald jenseits des wilden Ärgerabaches.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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