Mutabor Märchenstiftung

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Die grauen Zwerge im Burgerwald

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Im Burgerwald ob Muschels hausten einst Bergmännchen, die man graue Zwerge nannte. Nicht weit davon, in der Gomma, am Saume eines grossen Waldes, wohnte der alte Hans Aeby mit seiner Frau Appolonia in einer einsamen Hütte.

An einem trüben Winterabend ertönte draussen plötzlich eine helle Stimme: "Hans Aeby, sag dem Appele, d'Appela sei todt!" Letztere war der Frauen Mutter gemeint in Gauglera drüben in der Gemeinde Rechthalten. Mit den Worten hörte Aeby ein leises Geräusch, als wenn jemand durch die Stube schwebte, und zugleich ein kaum vernehmbares Weinen und Schluchzen. Geängstigt durch den Geisterspuk fand Hans Aeby nur spät den gewohnten Schlaf. Um Mitternacht weckte ihn wieder die gleiche helle Silberstimme aus dem Schlafe mit den Worten: "Hans Aeby, sag dem Appele, d'Appela sei todt!" — Jetzt sprang Aeby rasch aus dem Bett und an's Fenster. Mit Entsetzen sah er draussen eine Menge Zwerge über die beschneite, vom Mondschein blass erleuchtete Wiese dahin ziehen. Einige hatten kurze schwarze Mäntel an; andere trugen brennende Fackeln. Ihre Weiber waren in Trauer, in weissen Tüchern bis auf die Augen und die Nase nach Art der deutschen Bauernfrauen vermummt. Die Zwerge trugen einen Sarg, unter dessen Last sie beinahe zu erliegen schienen. Alle erhoben ein düsteres Trauergewimmer und verschwanden unter Klagetönen endlich im Walde.

Den nächsten Morgen kam richtig ein Leichenbote vom Schwäher Jost in der Gauglera, und brachte Bericht, d'Appela sei letzte Nacht plötzlich am Schlagfluss gestorben, und werde morgens zu Rechthalten begraben.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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