Das goldene Kegelspiel auf Ruchenberg
Ein Bauer ging spät in der Nacht bei dem zerfallenen Schlosse Ruchenberg, das zwischen Masans und Zizers gelegen, vorbei. Da hörte er ein Tönen, wie wenn man an metallene Gegenstände schlägt, und durch die Bäume gewahrte er einen lichten, rothen Glanz. Er sah feurige Blitze und geisterartige Gestalten um das Gemäuer sich bewegen. Er ging näher und kam zu dem alten Schlosse, das ringsum beleuchtet war. Und er sah drei Ritter, welche mit Kugeln von Gold auf dem Rasen goldene Kegel umwarfen, so dass es weit umher erklang. Der Bauer sah eine Zeit lang dem Spiele zu, und es kam dem Neugierigen und Gewinnsuchenden die Lust an, es auch zu versuchen, während die Ritter ein wenig ruheten. Er schlich beherzt näher, und weil keiner von den Rittern sich regte, ergriff er eine blanke Kugel und warf, dass alle Kegel auf den Rasen fielen. Kaum war aber dies geschehen, so entstand ein grosser Lärm, und Kugel und Kegel sanken zugleich mit allen drei Rittern in die Erde. Der Bauer stand allein im Finstern, und Grauen und Entsetzen trieb ihn von der Stelle.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch