Mutabor Märchenstiftung

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Das Nachtvolk

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Nach dem Zeugnis eines Bürgers von Jenins bezieht das Nachtvolk, das immer zu Hauf als Volk bei Nacht, nur ausnahmsweise bei Tag austritt, im Herbst nach der Alpentladung, die Sennhütten, und macht sich den ganzen Winter über ein Geschäft daraus, die im Sommer verschüttete Milch zu buttern und zu käsen. Da geschah es denn auch einmal, dass ein Mann in einer solchen Sennhütte mit seiner Kuh übernachtete. Um Mitternacht wurde er durch einen grossen Lärm aus seinem Schlafe aufgestört, und da war es das Nachtvolk, das den Lärm gemacht hatte, und das eben tüchtig zechte und schmauste, und all das zur Schmauserei  nöthige Fleisch aus dem Leibe seiner Kuh herausschnitt. Das Nachtvolk lud den Graubündner ein mitzuhalten, und der dachte sich, wenn es so "für und nach geht," so will ich dazuthun, ging hin, schnitt aus seiner Kuh ein Stück Fleisch und steckte es wie die andern Zecher an einen Holzspiess, um es an demselben über dem Feuer zu braten. Nachdem das nächtige Gesindel bei Tagesanbruch sich entfernt hatte, fand der Graubündner seine Kuh ganz unersehrt, mit Ausnahme des Stückes Fleisch, das er selbst ausgeschnitten hatte.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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