Mutabor Märchenstiftung

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Die Baretto-Balma (H. Herzog)

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Vor alter Zeit kam fernher aus Welschland ein Fremder von ritterlichem Anstand und geheimnisvollem Wesen, mit Namen Baretto. Verbannt von der Heimat, suchte er eine Zuflucht in der Alpenwelt und wohnte sich in einer Höhle ein, welche in der Nähe der jetzigen Stutzalp liegt und noch Baretto-Balma genannt wird. Ihn begleiteten seine beiden Töchter Selvretta und Vareina. Das Volk erkannte bald in Baretto einen Zauberer, und fürchtete seinen düstern Blick und seine geheimen Künste. Die beiden schönen Jungfrauen aber verehrten und liebten alle, und ihr Erscheinen brachte überall Glück und Segen. So ging es lange; endlich starb Baretto. Seine Töchter gruben in der Höhle ein Grab, betteten den Alten in frisch gepflückte Blumen und begruben ihn da. Dann kehrte Selvretta über die Eisgebirge in ihre Heimat zurück, Vareina blieb noch kurze Zeit, geheimnisvoll Berge und Thäler durchstreifend. Endlich ward sie gesehen, wie sie auf einer Felsenspitze stand, von wo man weit hinabsieht in das Prättigau; sie streckte segnend ihre Arme gegen die Thäler und rief: "Glückliches Volk, ich schenke dir das zum ewigen freien Eigenthum." Dann folgte sie der Schwester und verschwand. Nach ihr werden die Alpen genannt, über welche sie der südlichen Heimat zueilte. Der Name Selvretta lebt fort in den Alpen des andern Thales der Landquart und in dem des hohen Gebirgsstockes, dessen schneeglänzende Firnen weit in das Thal herabschauen, rein wie die Jungfrau, deren Namen sie tragen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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