Der Kuhhirt
Auf der Alp Stätz, die nach Churwalden gehört, weideten fünf Männer und Knaben in einem Sommer ihre Herde. Da kamen Nachbarsennen von Obervatz, fingen Streit an mit den Chur- waldnern, und erschlugen alle bis auf den Kuhhirten, dem es gelang, zu entfliehen. Er eilte mit seinem Alphorn auf einen Vorsprung des Berges nach Churwalden zu und blies aus Leibeskräften, um dem Thale Kunde zu geben von der Unthat. Seine Braut war gerade am Brunnen in Churwalden beschäftigt, horchte auf die langgezogenen Töne, und verstand auch deren Bedeutung.
Daher eilte sie mit einigen Männern auf die Alp, von wo das Blasen noch fortgesetzt wurde, dann aber plötzlich verstummte. Als die Eilenden oben ankamen, fanden sie den Hirten auf dem Rasen liegen; er hielt sein Alphorn noch in der Hand, aber das Herz war ihm zersprungen. Die erbitterten Churwaldner folgten den Feinden nach, erschlugen alle und nahmen das geraubte Vieh an sich.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch