Mutabor Märchenstiftung

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"Walt Gott"

Land: Schweiz
Kanton: St. Gallen
Kategorie: Sage

Die Humplatten bei Lütisburg ist einer der höchsten und jähesten Felsen im Lande St. Gallen. Seinen Fuss bespült der Necker. Die kahle Wand beschattet kein Strauchwerk und die Spitze ist weder von Zaun noch Mauer oder Gebüsch umgeben. Dicht an den unbeschützten Rand grenzt die schmale Strasse. Dort führte ein Bauer sein Paar Ochsen vorbei. Scheu geworden sprangen sie plötzlich die steile Wand hinab in den Abgrund. Der Treiber, erschrocken und doch vertrauensvoll, warf ihnen die Gerte (Gart) nach, und sprach: "Walt Gott!" Als er nachher auf krummen Wegen in die Tiefe kam, siehe, still und unbeschädigt stunden sie da, eingespannt wie vorhin im Joche, und aufrecht an demselben lehnte die Gerte. Das Wörtlein: "Walt Gott!" hatte sie erhalten.

Seitdem, heisst es, wird im Umgang mit dem lieben Vieh das fromme Wort "Walt Gott!" öfter gebraucht. Bei vielen ist es Zauberformel geworden, mit der sie ein stecken gebliebenes Fuhrwerk weiter, oder die Thiere über gefährliche Stellen bringen. Es ist der Gruss, besonders jener Gegend, mit dem man in den Stall tritt, und ohne ihn wäre keiner willkommen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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