Der Venetianer und der Wysstanner
In der Zeit der mailändischen Kriege bewirthete einstmals ein Venetianer einen jungen Wysstanner auf's köstliche. Als sie mit Essen und Trinken fertig waren, fragte er seinen Gast, ob er denn das alte Kräutermännchen im grauen Rock gar nicht mehr kenne, das in seines Vaters Hause stets Nachtlager und Speise erhalten, und einen braunen Krug getragen habe. Das sei er gewesen. Nur noch zweimal werde er den Krug füllen, und es dann nicht mehr vonnöthen haben. Da nun der Venetianer merkte, dass durch diese Erinnerung an die Heimat dem armen Jungen das Heimweh rege ward, brachte er einen Bergspiegel herbei, und zeigte ihm zu guter Letzt seine Eltern und Geschwister daheim zu Wysstannen, wie sie gerade in der Stube zum Chly-z-Obet* versammelt waren. Der Anblick besänftigte gar wunderbar das Heimweh.
*Abendbrot.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch