Mutabor Märchenstiftung

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Das Nixchen

Land: Schweiz
Kanton: St. Gallen
Kategorie: Sage

Ein Brünnlein fliesst bei Brunnadern im Necker-Thal im Toggenburg, das heisst der Giessen und kommt aus einem Walde. Ein sicherer Steg führt darüber. Einst wohnte ein Nixchen im Bache; das hielt jeden Wanderer an, nahm ihm seine Kappe und eilte frohlockend damit fort. Kehrte aber der Wanderer auf demselben Wege zurück, so fand er seine Kappe schön und rein gewaschen am Stege wieder. Einmal machte ein Jüngling oft den Weg, wenn er Abends zur Geliebten ging; stets gab er gerne der Nixe die Kappe und stets empfing er sie sauber zurück. Hatte er sie mit schönen Blumen geziert, welche er für die geliebte Braut bestimmt, so liess ihm die Nixe die Blumen; nur die Kappe nahm sie immer. Eines Abends kam er wieder über den Steg mit prächtigen Rosen auf der Kappe; aber das Wasserfräulein nahm ihm diesmal Rosen und Kappe. Betroffen wanderte der Jüngling weiter. Sein Unheil ahnendes Herz betrog ihn nicht. Heut kam ihm die Geliebte nicht liebevoll entgegen, und als er in's Haus trat, erklärte sie ihm, dass sie nichts mehr von ihm wissen wolle. Da kehrte er zum Stege zurück, nahm seine Kappe, drückte sie sich tief in's Gesicht, und wanderte weit fort in die Fremde.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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