Das Fräulein von Randenburg
Als die Randenburg noch der Sitz kühner Ritter war, wohnte auch ein frommes Fräulein darin. Das pilgerte jeden Morgen vor Tagesanbruch den weiten, beschwerlichen Weg nach dem Kloster Allerheiligen in Schaffhausen, um in der Kirche sein Gebet zu verrichten. Nur ein treuer Hirsch war sein Begleiter, und ging, wenn es finster war, mit einer Leuchte auf seinem Geweihe durch den dichten Wald voran. Da wurde es einst, als es schon nahe bei der Stadt war, von Räubern verfolgt, und floh vor ihnen athemlos, um sich in die sichern Mauern der Stadt zu retten. Aber wie es an das Thor kam, war dieses noch verschlossen. Schon waren die Räuber ihm dicht auf dem Fusse; da schickte es in der höchsten Noth ein inniges Gebet zum Himmel, und ein Engel fuhr hernieder, öffnete die Pforte, schloss sie wieder hinter ihm, und das fromme Fräulein war gerettet. Daher hiess von da an bis heute jenes Thor das Engelbrechtsthor.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch