Das Nünyglöckli zu Schaffhausen
In der Zeit, da so viele Ritter nach dem heiligen Lande zogen, war auch einer aus der Veste, an deren Stelle jetzt der Munot steht, schon seit Jahren in der Ferne, und keine Kunde von ihm gekommen zu seiner treuen Gemahlin. Allein er hatte ihrer nicht vergessen und war im Anzuge, und nur der wilde Wald trennte ihn noch von seiner heimatlichen Burg, wo er die Getreue wiederzusehen hoffte. Aber schon ist die Nacht eingebrochen, und doch möchte er an demselben Tage sie noch wiedersehen und reitet muthig in den Wald hinein. Da bricht ein Gewitter los und der Bach, der das Mühlenthal durchfliesst, schwillt an, der treue Ritter verliert den Pfad samt seinen Begleitern, sie stürzen in die Fluthen und finden darin den Tod. Nur einer rettet sich und bringt in nächtlicher Stunde der harrenden Gemahlin die Nachricht von seinem Tode. Sie hört dieselbe mit tiefem Schmerze, doch damit von nun an die Verirrten in der grausen Wildnis den Weg besser fänden zu menschlichen Wohnungen, stiftet sie aus ihrem Gut ein silbernes Glöcklein, das sollte alle Nacht um dieselbe Stunde, da ihr Getreuer gestorben, durch die Gegend erschallen und sie an ihres Gatten Treue erinnern. Darum wird noch alle Abende um neun Uhr das Glöcklein auf dem Munot eine Viertelstunde lang geläutet, und sein klagender Ton erinnert an den Schmerz der Stifterin, die ihren treuen Gemahl so traurig verloren.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch
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