Mutabor Märchenstiftung

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Der Riese Vinz "auf dem Hirsch"

Land: Schweiz
Kanton: Schwyz
Kategorie: Sage

In der Berggemeinde Iberg lebte vor alter Zeit auf seinem Heimwesen "zum Hirsch", genannt, der riesenmässige Hans Binz mit seinen zwei Töchtern, welche wie er auch Riesenstärke besassen. Als er sein Haus baute, trug er ganze Tannenstämme auf seinen Schultern herbei, als wären es nur Haglatten. Bei den Grenzstreitigkeiten zwischen den Schwyzern und Einsiedlern wollten die Letztern die Erstern einmal unversehens überfallen, als die Schwyzer unbewaffnet an der Landesgemeinde versammelt waren.

Die Sache wurde verrathen, als die Einsiedler schon bis zur Ibergeregg gekommen waren. Hans Binz ermahnte seine Mitbürger, sich zu bewaffnen, ergriff eine Tristenstange* und stellte sich ganz allein den heranstürmenden Einsiedlern entgegen. Bald lagen Einige von denselben erschlagen auf dem Boden.

Da schwuren ihm die Andern ergrimmt den Tod. Sie hatten einen vortrefflichen Schützen bei sich, Namens Oechslin. Der sollte nun mit seinem Bolzen den Riesen fällen. Gesagt, gethan. Als Binz sich tödtlich getroffen fühlte, da liess er den Pfeil in der Wunde stecken und sprach: "Oechsli, Oechsli, hasch mer g'macht es Löchli; muessi jezt mi Lebe lah, so muesst du au no mit mer dra."

Damit schwang er mit letzter Lebenskraft die Tristenstange, und stürmte vorwärts auf Oechsli zu, der lautlos und zerschmettert unter seinem Schlage zusammenbrach. Alsdann zog Hans Vinz ruhig den mörderischen Pfeil aus der Wunde, und liess sein Heldenblut strömen, bis er im Tod erblasste. Da, wo er gestorben, steht noch jetzt ein Pfahl am Wege.

*Triste heisst ein kegelförmiger Schober von Heu, das auf einer Weide oder in einem Moore gewachsen ist. Eine Tristenstange ist ein aeschälter Tannenbaum, der senkrecht in die Erde gesteckt wird und um welchen man das Futter aufthürmt und dasselbe hart einstampft.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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