Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Die auswandernden Erdmännchen

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Sage

In einem Hause zu Kappel, das jetzt noch steht, hatten einst die Erdmännchen mit den Einwohnern gute Kundschaft. Sie liebten bekanntlich alle Arten Backwerk, besonders die "Wäien", deren dort allemal, wenn man buk, so viele bereitet wurden, als die Stiege in's Gaden Tritte hatte. Für die Erdmännlein legte man allemal auf die Thürschwelle hinterm Haus eine besonders gut gerathene zurecht. Da geschah es, dass der Hausherr eine junge Frau heimführte, die bald nach Antritt des Regiments Gelüste bekam, das kleine verborgene Völkein von Angesicht kennen zu lernen. Als wieder gebacken wurde, und der herrliche Kuchen für die kleinen Gäste auf der Thürschwelle bereit lag, ging die Frau, statt sich mit den übrigen Hausgenossen an den Tisch zu setzen, in einen verborgenen Winkel der Küche, um von da aus ihre vorwitzigen Beobachtungen zu machen. Aber kaum hatte das Erdvölklein bemerkt, dass es beobachtet werde, da rief's in vielstimmigem Chor:

"Uuf und us der Erde,

D'Lüüt wei spitzfindig werde!"

Von da an wurden im ganzen Umkreis des Dorfes keine Erdmännchen mehr gesehen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch