Mutabor Märchenstiftung

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Der Riese Einheer

Land: Schweiz
Kanton: Thurgau
Kategorie: Sage

Um das Jahr 800 nach Christi Geburt regierte im Abendlande der berühmte Kaiser Karl der Grosse. Damals nun lebte im Reich ein Riese, und wurde Kisher geheissen. Derselbe stammte aus dem Thurgau, und war also mächtig und stark, dass er durch alle Wasser wadete und nie über eine Brücke ging. Und wenn sein Ross nicht hinüberwollte, so zog er es allzeit beim Schwanze herüber und sprach: "Nun Gesell, du musst auch nach!" Nun zog er mit dem Kaiser auch in den Krieg gegen die Wenden und Hunnen, die gar wilde Völker waren. Der Riese aber mähete die Feinde nieder, wie Gras mit einer Sense, und hängte dann etwa sieben oder acht an den Spiess, und trug sie also heim wie Vögel. Als ihn seine Nachbarn fragten, was er im Kriege ausgerichtet hätte, und wie es ihm gegangen wäre? sagte er mit Unwillen: "Ach, ich mag von diesen Fröschlein nicht reden! Es ist der Mühe nicht werth, dass der Kaiser so viel Volks wider solche Würmlein auf die Beine gestellt hat; ich wollt's allein mit ihnen ausgemacht haben!" Und wirklich hat der Kisher in diesem Kriege also furchtbar gestritten, dass die Wenden und Hunnen überall flohen, wo er sich zeigte; denn sie meinten, er sei der böse Feind. Weil er daher gegen sie so viel ausrichtete als ein ganzes Heer, so wurde er von dem Kaiser nicht mehr Kisher, sondern Einheer genannt.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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