Schönenbaumgarten
Schönenbaumgarten ist ein kleines Dorf in einem etwas wilden Thale landeinwärts von Münsterlingen. Jenseits des Baches auf einem Hügel, so berichtet der Landmann, stand einst eine Burg, deren Besitzer allen Leidenschaften fröhnte. Namentlich war er der Schlemmerei ergeben, und in wenigen Stunden pflegte er zu verprassen, was seine Hörigen in Wochen mit saurem Schweisse erworben hatten. Am Vorabende eines grossen kirchlichen Festes hatte der Burgherr wieder seine Genossen zu einem Gelage versammelt, wobei es bis über Mitternacht hinaus wild herging. Da zog ein fürchterliches Gewitter heran, die- Erde bebte und die Burg versank so, dass über derselben sich ein kleiner, im Sommer trockener Sumpf bildete. Ein Bauer, welcher einst auf dieser Stelle in Schlummer verfiel, sah sich plötzlich in die versunkene Burg hinunter entrück. Die Zecher sassen auf glühenden Stühlen und jammerten vor Schmerzen bei ihren glühenden Speisen und Getränken; die Uhr aber wies immer noch die erste Stunde des Festtages.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch