Frauenfeld
Ein Ritter von Seheim erwarb sich die Liebe einer Tochter aus dem Hause Kyburg; aber die stolzen Grafen widersetzten sich einer Verbindung ihrer Schwester mit dem armen Edlen. Doch die Standhaftigkeit der jungen Gräfin trotzte dem Zorne ihrer Verwandten. Die Jungfrau floh mit dem Geliebten aus der väterlichen Burg, und baute unter dem Schutze des Abtes der Reichenau auf der Grenze des väterlichen Stammgutes zum Schirm ihrer Liebe eine feste Burg, um welche bald ein Städtchen sich erhob. Damit sie jedoch ihres neuen Besitzthumes sicher sei, übergab sie Burg und Stadt dem Herrn von der Reichenau, und empfing sie von ihm wieder zu Lehen. Der Abt wusste die zürnenden Grafen von Kyburg nunmehr mit der Schwester und deren Gemahl zu versöhnen, und zur steten Erinnerung, wie die Frau ihren Mann gewählt, wurden die neue Burg und Stadt Frauenfeld genannt und in das Wappen derselben eine Jungfrau, welche einen Löwen bändigt, aufgenommen.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch