Der Hirt von Gerlikon
Im 13. Jahrhundert lebte ein Hirt, Heinrich von Gerlikon, der täglich zur Frühmesse nach Gachnang ging, und seiner Frömmigkeit wegen vom Himmel die Gnade erlangt hatte, ungeachtet der Entfernung der Pfarrkirche doch das Zeichen des Glöckchens jeden Morgen zu vernehmen. Als er jedoch einst bei schlechter Witterung einen Zaunstock aus einem fremden Gute ausriss, um sich desselben als eines Stabes zu bedienen, verstummte das Glöckchen für ihn, bis er sein Gewissen durch Zurückerstattung des fremden Eigenthums wieder gereinigt hatte. Seine Frömmigkeit erwarb sich so grosse Achtung, dass zu seinem Grabmale und zu seinem Gewissensglöckchen gewallfahrtet wurde.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch