Der Schatz in der Rosenburg
Gerade beim Eintritt in den Flecken Stans, wenn man von Stansstad herkommt, liegt rechts an der Strasse ein altes Gebäude. Es ist das frühere Schloss Rosenburg, jetzt Höfli genannt. Von ihm erzählt die Sage.
An einem Charfreitage wachte ein Mägdlein, das an einem Quatembertage geboren war, bei einer alten, kranken Jungfrau. Es war eben die Zeit, da in der Kirche die Passion gelesen wurde, als das Mägdlein in den Keller wollte, um etwas zu holen; dieser Keller ist so finster, dass man am hellen Tage ein Licht braucht. Es zündete daher sein Licht an und trat hinein. Da erblickte es einen weiten Kreis von brennenden Kerzen, und in dem Kreise leuchtete es so lichthell wie die Sonne, so dass das Mägdlein geblendet und erschrocken davon eilte. Es erzählte dies der Kranken, die ihm sagte, dass es sogleich wieder hineilen und seinen Rosenkranz in den Kreis werfen solle; der Zauber, der den am Charfreitage blühenden Schatz banne, sei dann gelöst. Das Mägdlein eilte hin, aber es fand nichts mehr, als den finstern Keller. Der Schatz hatte sich geschlossen, und kein Mensch weiss, wann er wieder blühen wird.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch