Mutabor Märchenstiftung

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Die drei Tellen

Land: Schweiz
Kanton: Uri
Kategorie: Sage

Im Augenblick, als die drei Gründer der schweizerischen Freiheit, Walther Fürst, Werner Stauffacher und Arnold von Melchthal, auf der stillen Rütlimatte ihre Hände zum heiligen Schwur gen Himmel erhoben, entsprang zu den Füssen eines jeden eine Quelle des reinsten Wassers, und die drei Quellen fliessen noch heute fort zum Zeichen der Freiheit, welche ihren starken Arm schützend und segnend über das Schweizervolk ausbreitet.

Nach alter Volkssage schlummern die drei Tellen in einem verborgenen Felsenschacht am Seelisberg, und werden einst erwachen und dem Schweizervolke die Freiheitsfahne zum Siege vorantragen, wenn dem Lande Verderben droht. Dort hat der Geissbub von Seelisberg sie einst gesehen, als er eine verlaufene Geiss gesucht, und in den Felsenschacht hineingerathen war. Damals war Walther Fürst aufgewacht und hat den Geissbub gefragt, welchen Jahrgang man zähle. Als der Bub das gesagt, da neigte der Greis das Haupt und sprach: "Es ist noch nicht Zeit, dass wir kommen!" Darauf schlief er wieder ein. Später hat der Geissbub die Felsenhöhle nicht mehr gefunden, so oft er sie auch aufgesucht. Das Schweizervolk aber zählt auf den Geist der drei Tellen in Noth und Gefahr, dass derselbe es zum Sieg führen werde.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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