Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Grebellhou, der Gnomenfürst

Land: Schweiz
Kanton: Waadt
Kategorie: Sage

Zu Vaulion im Kreise Orbe hält in der Nacht vor Weihnachten Grebellhou, der Fürst der Gnomen, in der Landessprache gommes genannt, seinen Umzug. Auf wunderbare Weise kommt er mit seiner Schaar Untergebener daher, indem sämtliche verkehrt auf kleinen weissen Schweinen sitzen, deren Schwänze sie statt Zäumen in den Händen halten; nur er, der Gnomenfürst im rothen Purpurmantel und eine Krone auf dem Haupt, sitzt mit dem Gesichte nach vorwärts gewendet auf seinem Reitthier, das auch fast noch einmal so gross ist als das der andern. So reiten sie nach dem Jouxthal hinauf, wo sie das Gold in dem Vent de Vaulion hüten. Da es aber ihrer viele Tausend sind, hört man das Schweinegetrappel auf der harten Landstrasse schon aus weiter Ferne auf's deutlichste. Jedem, der dies hört, ist jedoch gerathen, sich sofort umzukehren und zu warten, bis der Zug vorüber ist; denn sie lieben es nicht, von den Menschen gesehen zu werden, und strafen neugierige Blicke mit augenblicklicher Blindheit. Davon weiss ein Bursche von Vaulion zu erzählen, welcher ein ganzes Jahr lang auf dem linken Auge blind war, weil er, da ihm der Zug zu lange gewährt, nur ein klein wenig über die linke Achsel geschaut.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch