Mutabor Märchenstiftung

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Die Schätze zu Sauerberg

Land: Schweiz
Kanton: Waadt
Kategorie: Sage

In den Kellern und Gewölben des ehemaligen Schlosses Sauerberg im Ormondsthale liegen ungeheure Schätze vergraben. Grosse Kisten, wie man sie zum Käsen braucht, sind dort aufbewahrt und mit goldenen Münzen angefüllt. Der Herr von Pontverre, völlig gerüstet, mit hohlen Augen, die durch das Helmgitter hervorblitzen, wie Irrlichter in dunkler Nacht auf dem Moore, sitzt auf einem Lehnstuhle und zählt ohne Unterlass seinen unermesslichen Schatz und die vollgewichtigen Dukaten. Ein schwarzer Bock, lang gehörnt, steht am Eingange Wache, bereit, jeden Augenblick den Tollkühnen mit einem Speer zu durchbohren, der es wagen wollte, sich mit List oder Gewalt in die wohlverwahrte Felsenkammer hineinzudrängen. Jeden Quatemberabend hört man um Mitternacht ein fürchterliches Kettengerassel, ein Getümmel und Toben, ein Geheul und ein Gestöhne, wie wenn alle Berggeister, Kobolde, Gnomen und Drachen dort versammelt wären. Die Erde zittert und dröhnt. Wie Luftgebilde erblickt der erschrockene Wanderer auf den zerstörten Zinnen der alten Burg schwarzgekleidete Frauengestalten, weiss verschleiert, die auf den Mauertrümmern im Kreise herumschweben und kaum vernehmbare Laute der Trauer und Wehmuth, wie Aeolsharfentöne, hören lassen, die ob dem Geräusche des vorbeitobenden Waldbaches bald verstummen, oder auf den Fittigen des Föhnwindes zu den Gletschern des Diablerets hingeleitet werden, wo andere Geister im ewigen Winter hausen.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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