Der Schatz von Lanffrey
Unweit Romainmotier lag einst ein nicht unbedeutendes Dorf; es hiess Lanffrey und ging vor vielen hundert Jahren durch ein Strafgericht Gottes unter. Es soll nämlich zerstört worden sein, weil die Einwohner sämtlich Zauberei trieben und ihren Nachbarn so viel Schaden, als sie vermochten, zufügten. Noch führt die Gegend, wo die Gemeinde einst lag, den Namen Lanffrey und man pflegt dort nach grossen Schätzen zu suchen, welche von den Hexen und ihren Ehemännern zusammengerafft und verscharrt worden sein sollen. Einmal hätte man einen Theil derselben fast erlangt. Als man nämlich unter den gehörigen Ceremonien eine tiefe Grube gemacht hatte, entdeckte man einen grossen Koffer und einen bis an den Rand mit Gold gefüllten Topf; eben hatte man beides herausgehoben, als einer der Arbeiter ausrief: "Gott sei gelobt, wir haben den Schatz!" Er hatte vergessen, dass man bei einem solchen Werke den Namen Gottes nicht aussprechen darf. Sogleich versanken Koffer und Topf in die Erde, und man konnte sie bisher noch nicht wieder auffinden.
Ausser dem Gold befindet sich zu Lanffrey noch ein Schatz anderer Art im Boden, nämlich ein ungeheures Fass Wein, welches dort schon so lange liegt, dass das Holz ganz verwest ist, der Weinstein aber, welcher sich im Laufe der Zeit auf den Dauben niedergeschlagen hat, bildet eine so dicke und feste Rinde, dass der Wein nicht auslaufen kann. Leider hat man bisher die Stelle, wo das köstliche Getränk begraben liegt, nicht auffinden können, so oft man auch schon darnach gesucht hat.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch