Vom Hirten und vom Getwerge
Getwerge oder Gotwergi nennt man im Wallis kleine haarige Menschen, die ehemals in den Wäldern und Bergen hausten und sich gut auf Zauberkünste verstanden.
Es war einmal ein Küher, der hatte einige Kühe an entlegenem Ort, so dass es ihm schwer war, täglich dahin zu gehen. Da kam ein Getwerg zu ihm und sprach: "Ich will dein Vieh besorgen, damit du nicht den weiten Weg hast." Das nahm der Hirt an, und blieb vierzehn Tage aus. Als er endlich kam, nach seinem Vieh zu sehen, da war es verdorben. Da ging der Hirt in die Scheune, und fand da den Getwerg auf dem Heu liegen. Er fragte ihn, warum er das Vieh nicht besorgt habe, wie er versprochen. Der Getwerg antwortete: "Es war Wind und bei Wind gehe ich nicht aus." Da wurde der Hirt zornig, nahm eine Hechel und fuhr ihm über den Leib, indem er ausrief: "Ich will dich hecheln, bis dir die Hechel im Leibe hängen bleibt."
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch