Mutabor Märchenstiftung

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Frau Vrene

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Kategorie: Sage

Oben im Bezirk Affoltern am Fusse des Albis liegt der unheimliche Türlersee, der tiefste des Kantons. Dieser See samt seiner Umgebung gehörte in grauer Vorzeit einer arbeitsamen, braven aber stolzen Frau; das Volk nannte sie "Frau Vrene." Da begab es sich, dass die Heferschweiler, unter dem Jungalbis an der Jone, betreffend der Markung mit der Frau heftig in Streit geriethen. Sie wollte vor keinen Richter, es sollte nach ihrem Kopfe gehen. Die Heferschweiler hatten auch harte Köpfe, und gaben nicht nach. Da fasste Frau Vrene in ihrem Zorn den Entschluss, durch einen tiefen breiten Graben durch's Jungalbis den Türlersee ins Gelände der Gegner zu leiten und es so zu verwüsten. Fahrende Schüler halfen ihr recht gefällig dabei. Der Graben war vollendet bis zum letzten Spatenstreich, da erfasste sie Einer und sagte: "Du musst mit mir, du magst wollen oder nicht!" Blitzschnell führte er sie auf eine liebliche grüne Halde oben auf der Westseite des Glärnisch, ihr bedeutend: "Hier kannst du gartnen!" Aber der schöne Alpengarten verwandelte sich in eine Gletscherhalde, und Frau Vrene steht, den Spaten in der Hand, heute noch dort, zur Eissäule verwandelt. "Vrenelis Gärtli" glänzt zu Zeiten hell wie Silber herüber in's Knonauer Amt.

Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871 

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