Die Gründung des Klosters Rheinau
Als noch auf dem Platze, wo jetzt Schaffhausen liegt, nur ein Kloster und eine Schifflände waren, fischte einst dort im Rhein ein reicher vornehmer Edelmann. Darüber schläfrig geworden, lenkte er den Nachen, worin er allein war, in eine Bucht, legte sich in demselben nieder und schlummerte ein. Während er so im Schlafe lag, wurde der unbefestigte Kahn von den Wellen allmählich aus der Bucht in die Strömung des Flusses gespült, und nun ging es mit ihm schnell und stets schneller dem Rheinfalle zu. Der Edelmann schlief noch immer und erwachte selbst dann nicht, als er mit dem Nachen den grässlichen Fall hinabgerissen wurde. Als er die Augen aufschlug, lag der Kahn, unbeschädigt wie er, eine Stunde unterhalb des Rheinfalls am einsamen Ufer. Da erkannte der Edelmann, was mit ihm geschehen und wie er wunderbar von Gott erhalten worden. Zum Danke hiefür stiftete er am letzten Ort ein reiches Kloster, die Benediktinerabtei Rheinau.
Quelle: H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, erster Band, Aarau 1871
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch