Mutabor Märchenstiftung

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Die Zauberflöte

Land: Tschechien
Kategorie: Zaubermärchen

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten sieben Kinder. Sie waren so arm, dass sie oft hungern mussten. Da beschloss Vascha, der älteste Sohn, in die Welt hinauszuziehen, um das Glück zu suchen.

Seine Mutter gab ihm noch ein letztes Stück Brot mit auf den Weg, dann nahm er Abschied. Er wanderte lange durch die Welt, doch das Glück fand er nicht. Darüber wurde er so traurig, dass er sich müde unter einen Baum legte und einschlief.

Als er nach einer Weile erwachte, sass ein Männlein neben ihm. «Weshalb bist du so traurig?», fragte es. Da erzählte Vascha alles, und das Männlein gab ihm eine Flöte und sagte: «Hier, nimm diese Flöte, sie wird dir helfen, das Glück zu finden.»

Getröstet machte sich Vascha weiter auf den Weg. Nach einer Weile nahm er die Flöte hervor und begann darauf zu spielen. Die Musik klang so lustig, dass er ganz fröhlich wurde. So kam er an einer Wiese mit Apfelbäumen vorbei, auf der Leute Äpfel ernteten. Kaum hörten sie die Musik, da nahmen sie sich an den Händen und tanzten fröhlich.

«So ist das also», dachte Vascha, «ich habe eine Zauberflöte!»

Er ging weiter und kam in eine fremde Stadt. Dort war alles ganz still. Selbst  die Menschen auf dem Markt sprachen nur ganz leise. Vascha fragte einen Mann nach dem Grund, und dieser antwortete: «Hier lacht niemand, weil die Prinzessin so traurig ist. Wer sie zum Lachen bringen kann, bekommt das halbe Königreich. Aber bisher hat es noch niemand geschafft, deshalb sind wir ebenfalls traurig.»

Sogleich machte sich Vascha auf den Weg zum Königsschloss. Er klopfte ans Tor, doch man wollte ihn nicht einlassen. «Es haben schon viele versucht, die Königstochter zum Lachen zu bringen. Warum soll es ausgerechnet einem armen jungen Mann wie dir gelingen?», sagte man ihm und schickte ihn wieder fort.

Da setzte sich Vascha vor das Schloss, nahm seine Flöte hervor und begann zu spielen. Die Musik stieg hoch bis zu dem Zimmer, in dem die Prinzessin traurig im Bett lag. Als sie die fröhlichen Klänge hörte, stand sie auf, öffnete das Fenster und lauschte. Auf einmal wurde sie so fröhlich und lustig, dass sie zu lachen und zu tanzen begann. Bald kamen alle aus dem Schloss, um zu hören, woher die Musik kam. Sie nahmen die Prinzessin an die Hand, und der ganze Königshof tanzte mit, bis das Lied zu Ende war.

Der König hielt sein Versprechen, und Vascha bekam das halbe Königreich. Weil er der Prinzessin so gut gefiel, wurde bald Hochzeit gefeiert. Vascha holte seine ganze Familie, um sein Glück mit ihnen zu teilen. Es gab ein prächtiges Fest mit Knödeln und Honigkuchen, und sie lebten zufrieden und ohne Sorgen bis an ihr Lebensende.

Fassung D. Jaenike, nach: V. Gašparíková u.a. Die gläserne Linde, Bautzen 1972, © Mutabor Verlag

Tschechien war Teil der ehemaligen Tschechoslowakei. Nach der Besatzung durch NS-Deutschland und geprägt von der sowjetischen Herrschaft, flohen nach 1968 rund 200'000 Menschen. Viele kamen in die Schweiz sowie nach Deutschland und haben mittlerweile die Staatsangehörigkeit angenommen. Die heutige Republik Tschechien spielt eine wichtige Rolle als Aufnahmeland für Flüchtlinge.