Mutabor Märchenstiftung

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Das goldene Zeitalter der Alpen

Land: Schweiz
Kanton: Waadt
Kategorie: Sage

Es gab eine Zeit, wo alle jene starren Felsen, Gletscher und Eismeere sonnige Triften waren, auf denen das fetteste Gras und der saftigste Klee wucherte. Keine Giftblumen waren damals vorhanden, jede Blume war dem Vieh gedeihlich, so dass die Kühe und die Ziegen dreimal des Tages gemolken werden mussten. Diese Zeit war das goldene Zeitalter der Alpen. Von ihm erzählen die Sennen und Hirten von Ormund: Damals waren die Kühe von ungeheurer Grösse; sie hatten einen solchen Ueberfluss an Milch, dass man sie in Weihern melken musste, welche sehr bald gefüllt waren. In Nachen fuhr man aus, um den Rahm von den beträchtlichen Behältern abzuschöpfen.

Eines Morgens verrichtete ein junger, schöner Hirt diese Arbeit, da plötzlich warf ein Windstoss das Fahrzeug um und der Unglückliche ertrank. Die Jünglinge und Jungfrauen des Thales beklagten sein trauriges Ende und lange Zeit suchten sie seine Leiche, um sie zu bestatten; aber vergebens. Erst nach einigen Tagen, als man die Butter schlug, fand sie sich in der Mitte der Wellen eines schäumenden Rahms, der sich in einem Butterfasse von der Grösse eines Thurmes hoch aufblähete. Da bestattete man die Leiche. Die Grabstätte aber, wo man sie beisetzte, war eine weite Höhle, von den Bienen mit Honigscheiben ausgefüllt, die so gross wie die Thore der Stadt Lausanne waren.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

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