Mutabor Märchenstiftung

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Die todte Alp

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Am westlichen Abhange des Davoser Schwarzhornes trägt eine Gegend den Namen die todte Alp. Dies ist die schauerlichste Einöde, die sich finden lässt. Die ganze Gemarkung erzeugt kaum einige Grashalme, die im Serpentingestein kümmerlich ihre Nahrung finden können. Auch vom Thale aus gesehen macht dieses verödete Gebiet einen bemühenden Eindruck und sticht zu grell ab gegen die benachbarten blühenden Alptriften.

Die todte Alp war vor Zeiten eine der fruchtbarsten und gesegnetsten Alpen weit umher. In ihrem ganzen Umfange sprossten die milchreichsten Kräuter, und die klarsten Quellen entsprangen in ihrem Boden. Der Reichthum an Molken, die auf dieser Alp gewonnen wurden, war seit Jahrhunderten schon bekannt.

Zu einer Zeit war dieser Alpenhang von einer jungen Sennerin bewohnt, die eines Sonntags nachmittags zu Thal stieg, um an einem Tanze theil zu nehmen. Wie dem Glücklichen keine Stunde schlägt, dachte auch unsere Sennerin nicht daran, von der Gesellschaft sich zu trennen, um auf die Alp zurückzukehren, und doch war die Zeit längst da, wo die Kühe des Melkens harrten. Wohl gemahnte sie die Pflicht, der Leichtsinn hielt sie aber wieder ab; sie blieb und verfluchte die gesegnete Alp mit ihren Kräutern zur Hölle, so dass Schauder und Entsetzen alle Anwesenden ergriff.

Die gottlose Verwünschung sollte alsbald in Erfüllung gehen.. Fortan wuchs kein frisches Gras mehr auf der ganzen Alp; diese wurde nachgerade zur Einöde, wie sie es heute noch ist.

H. Herzog. Schweizer Sagen für Jung und Alt dargestellt, zweiter Band, Aarau 1882. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch